Produktive Patenschaft

"Patenschaft - die freiwillige Übernahme einer Fürsorgepflicht" - Wikipedia

groß und klein vereinen Auf der Suche nach neuen Strukturen für urbane Initiativen, sind produktive Patenschaften ein interessantes Modell, um kleine mit großen Initiativen zusammen zu bringen.

Patenschaft und das Theater

Heute ist der Welttheatertag, Grund genug, um die Prästrukturen hinter den darstellenden Künsten näher zu untersuchen.

Eine produktive Patenschaft kann Kommunen zu neuer Lebendigkeit verhelfen, indem sie die Art der Zusammenarbeit verändert. Die Berliner Theater Gemeinschaft ist ein Beispiel. Die großen Theaterhäuser sind subventioniert. Viele der dort arbeitenden Leute haben relativ sichere, bezahlte Arbeitsplätze. In Berlin gibt es außerdem unzählige freie, kleinere nicht weniger professionelle Theatergruppen, die sich von Produktion zu Produktion über Wasser halten. Die Leute, die hier arbeiten verdienen sich ihren Lebensunterhalt nicht selten mit zusätzlichen anderen Jobs. Die hin und wieder errungenen Zuschüsse werden üblicherweise von den Produktionskosten aufgesaugt.

Unterwasseroper im Stadtbad Neukölln Das Subventionssystem basiert auf dem Leuchtturmprinzip. Das Land unterstützt die großen, aufwändigen Projekte und das soll dann irgendwie auch einen positiven 'Sickereffekt' auf die freien Produktionen haben. Im letzten Jahrzehnt ist die Förderung der freien Projekte von 10% der Kulturbudgets auf 2,5% gefallen.

Ein Weg das Theater in Berlin zu verbessern könnte sein, die Ausnutzung der kulturellen Infrastruktur zu redefinieren. Staatlich geförderte Theater sind mit Werkstätten, Studios, Licht- und Soundsystemen und allen möglichen hochspezialisierten Ausstattungsgegenständen gesegnet. Diese staatlich geführten Theater hüten ihre Schätze und schliessen in der Sommerpause. Ein Patenschaftsystem könnte diese wertvollen Resourcen auch freien Theatergruppen zugänglich machen, wenn die großen Häuser ihre Ängste überwinden könnten, ihre teure Ausstattung zu teilen. Diese Form von Beziehungen findet vielleicht in einem kleinen informellen Rahmen schon statt, aber wenn Berlin diese Politik zu ihrem Grundsatz machen würde, könnte dies die kulturelle Produktion transformieren.

Starke Arbeitsbeziehungen zwischen den freien und den subventionierten Institutionen stimulieren beide Seiten, sich gegenseitig zu helfen. Diese neuen Formen der Zusammenarbeit führen zu einer Ausweitung der Zuschauergemeinde bei beiden Produktionen.

Freie Produktionen profitieren von den etablierten Netzwerken der großen Häuser und die etablierten Institutionen frischen ihr öffentliches Image und ihre Arbeitsmethoden auf.

Patenschaften erlauben es freien Produktionen professioneller zu werden. Sie können größere und schwierigere Projekte zu niederigeren Kosten angehen, weil die existierende Infrastruktur effizienter genutzt wird.

Patenschaft in der Praxis

New Brunswick Holz, gestapelt Während meines Architekturstudiums, habe ich mehr oder weniger in der Werkstatt der Universität gewohnt. Für alle Leute, die dort nicht so zuhause waren, war der Werkstattleiter, der über die Werksatt mit all ihren kostbaren Werkzeugen wachte und sie betreute, ein böser Dämon. Aussenstehende fanden ihn launisch und irritierend. Der Werkstattleiter war immer gereizt und angespannt, bei dem Versuch, die scharfen und gefährlichen Werkzeuge und die Leute, die sie zum ersten Mal benutzten zu beaufsichtigen.

Irgendwann zwischen meiner ersten Ausleihe eines Bohrers und meinem Einzug in die Werkstatt habe ich über seine Angespanntheit hinweggesehen. Der Werkstattleiter wurde mein Mentor. Obwohl er Angestellter der Universität war, hatte er zu uns eine ganz besondere Beziehung. Der Werkstattleiter war persönlich involviert in unsere Projekte. Er hat versucht die Idee, was ein Modell ist, bis an die Grenzen auszudehnen. Das Leben in der Werkstatt war eine produktive Patenschaft.

Ich vermute, dass jedes Theater einen Werkstattleiter hat, vielleicht sogar einen für jede Werkstatt. Der blosse Gedanke daran, seine Werkstatt nach außen zu öffnen löst bei dem Werkstattleiter vielleicht schon eine Herzattacke aus. Ein Patenschaft System sorgt dafür, dass der Blutdruck des Werkstattleiters nicht ausser Kontrolle gerät, weil er potentielle Kandidaten hinsichtlich Respekt und Verantwortung festnageln kann.

Ko-operative Kommune

Dieses Patenschaft Prinzip könnte sehr gut über die Berliner Theaterlandschaft hinaus in andere Sphären ausgeweitet werden. Die produktive Patenschaft einzuführen, hat das Potential eine Kommune enger zusammen zu fügen, indem die Barrieren zwischen den kleinen und den großen Spielern gesenkt werden.

Wie könnte eine produktive Patenschaft für urbane Entwicklung funktionieren?

Baugrube in Mitte für ein 'Ein Mieter Gebäude' Große Grundstücke werden in Berlin zur Zeit von großen Entwicklern bebaut und zwar vorzugsweise nach der 'Ein-Mieter-Strategie'. Das bedeutet, dass es einen Eingang zum ganzen vereinheitlichten Block gibt. An etwas sensibleren Standorten sorgt die Stadt dafür, dass unterschiedliche Fassaden vor diese monolithischen Gebäude gehängt werden, um zumindest den Eindruck von Vielfalt zu erzeugen. Leider ändert das nichts an den Nutzungsmustern, die definieren wie ein Gebäude in seiner Umgebung funktioniert. Die Stadt wäre besser beraten, wenn sie ein System von produktiver Patenschaft gesetzlich verankern würde, um Stadtentwicklung abwechslungsreicher zu gestalten.

Ein Grundstück könnte in große und kleine Stücke geteilt werden, die alle von einzelnen Entwicklern bebaut werden. Eine produktive Patenschaft könnte weiter gehen, indem sie die Stärken der kleinen und großen Partner integriert. Das Tripod System ist ein Weg dies zu tun.

Lokale Initiativen haben oft das Problem finanziellen Rückhalt von den Banken zu bekommen. Wenn sie mit den großen Firmen zusammenarbeiten würden, würde es den Banken leichter fallen sie zu unterstützen.

Wenn große Projekte scheitern, liegt es häufig daran, dass sie die lokalen Bedingungen völlig falsch gelesen haben. Sie haben das falsche Ding an der falschen Stelle gebaut, ohne die Unterstützung aus der Nachbarschaft. Große Firmen, die lokale Initiativen involvieren, minimieren ihr Risiko, indem sie ihre Investitionen diversifizieren und indem sie langfristige Bindungen mit der Nachbarschaft eingehen.

Ein produktives Patenschaft Projekt kreiert lebendige Nachbarschaften, indem es die Gebäude zugänglicher macht; zugänglicher für Leute, die helfen es auf die Beine zu stellen und zugänglicher für die Nutzer. Es ist eine potentielle Lösung für die Lücken Lücke, weil es neue Möglichkeiten für experimentelle Formen der Entwicklung schafft. Wenn Organisationen verschiedener Größe Seite an Seite arbeiten, wird das Grundstück zu einer kleinen Stadt. Es wird dicht und vibrierend wie ein Theater.


Dieser Artikel ist Duncan Swain und William Weima gewidmet, die beiden Werkstattleiter an der McGill School of Architecture. Sie waren weit über Dienst nach Vorschrift engagiert und haben mir völlig neue Perspektiven auf so ziemlich alles ermöglicht.


Die Koaltion der Freien Szene hat diesen offenen Brief geschrieben in dem sie fordern, dass Berlin die Förderung der freien Kulturszene reformiert. Bitte ziehen Sie in Erwägung diese Online Petition zu unterzeichnen.

Einen Kommentar verfassen

Als Gast kommentieren

0
Deine Kommentare erfordern die Moderation durch den Administrator
Nutzungsbedingungen.
  • Keine Kommentare gefunden
Powered by Komento

Dieser Blog möchte ermutigen, Stadt selbst zu machen

Historisierend zu bauen ist nicht harmlos sondern armselig!

Architektur muss als Kunst natürlich immer zeitgemäß sein. In Berlin sind wir aktuell mit einem aggressiven Aufleben der auf seltsamste Weise historisierenden Lochfassadenfraktion konfrontiert. Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen ‘Bürgerwille’ und Architekten, die diesen uninformierten Bürgerwillen ausnutzen und sich aus unlauteren Motiven zu deren Sprecher machen.

Weiterlesen ...