Do It Yourself-Internationale Bauausstellung

Vor mehr als einem Jahr, begann die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine dritte Internationale Bauausstellung (IBA 2020) in Berlin zu planen. Das Hauptthema wird Wohnungsbau sein, genau wie bei den Internationalen Bauausstellungen der Jahre '57 und '84. Auch heute wird günstiger Wohnraum in Berlin wieder dringend benötigt. Obwohl der Schwerpunkt derselbe ist, sind die prästrukturellen Bedingungen für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum heute grundsätzlich anders, als bei den vorherigen IBAs.

Berlin ist nicht mehr das Schaufenster des Kapitalismus hinter dem eisernen Vorhang. Die Subventionen, die die letzten beiden IBAs voran getrieben haben, sind erschöpft. Die große Herausforderung für die IBA 2020 ist es, heute andere Wege der Finanzierung zu erproben.

Eine bleibende Ressource ist Berlin's erfolg- und umfangreiche Geschichte selbstorganisierter Stadtentwicklung, die ihre Wurzeln in der Behutsamen Stadterneuerung des letzten IBA Programms hatte.

IBA'84 Alt: Behutsamen Stadterneuerung

In den1970er Jahren wurden große Flächen des historischen Berlin's abgerissen und nach den stadtplanerischen Überzeugungen der Moderne neu gebaut. Die Wohnungsnot führte zu Protesten und Hausbesetzungen in den heruntergekommenen Gebäuden der Jahrhundertwende, mit dem Ziel, diese wertvollen Strukturen zu erhalten.

Hart-Waltherr Hämer at Urban Issue in 1999 Über ein Jahrzehnt hat Hart-Waltherr Hämer mit der behutsamen Stadterneuerung den gebauten Beweis erbracht, dass es günstiger und nachhaltiger ist, bestehende Gebäude zu sanieren, als sie abzureissen und stattdessen Neubauten zu erstellen. Als er 1979 zum Direktor der IBA Alt wurde, um in diesem Rahmen sein Programm der behutsamen Stadterneuerung weiter voran zu treiben, hatte er seine Ideen hierzu schon an 450 Wohneinheiten am Klausener Platz in Berlin Charlottenburg erfolgreich erprobt.

Die zweite Komponente der IBA '84 war das von Josef Paul Kleihues geführte Programm zur kritischen Rekonstruktion, dass sich auf Neubau konzentrierte. Beide Programme wurden intensiv subventioniert.

Ein wichtiger Teil der behutsamen Stadterneuerung war die Unterstützung durch Selbsthilfeprogramme. Diese Subventionen ermöglichten es Bewohnern heruntergekommener Wohnungen, die Häuser in Selbsthilfe zu renovieren und sie zu kaufen. Auch Kooperativen ohne eigene finanzielle Mittel konnten mithilfe der Subventionen und günstiger staatlicher Kredite ihre Gebäude durch die Investition ihrer Arbeitskraft kaufen.

Die Programme starteten während der IBA'84 und wurden noch lange nach Mauerfall weitergeführt. Auch die Sanierungsarbeiten in Prenzlauerberg und Mitte wurden durch diese Programme unterstützt. Berlin's exorbitanter Schuldenberg und der Crash der Immobilienblase beendete die Subventionen 1997 endgültig.

Die behutsame Stadterneuerung begann als Reaktion auf lokale Initiativen, die gegen unzeitgemäße und destruktive Top-down Planungen protestierten. Durch die Unterstützung dieser Initiativen von unten, etablierte die IBA'84 Alt eine DIY(Do It Yourself) Ethik, die sich auch nach dem Auslaufen der Subventionen weiter entwickelte.

DIY Development

found at the Venice Biennale In den späten 90er Jahren platzte die Blase. Die Subventionen, die dazu führten, dass sich der Immobilienmarkt aufheizte, hinterliessen in ihrem Nachgang eine Investitionslücke. Sieben Jahre lang ignorierten die Investoren Berlin. Während sie zu fruchtbareren Böden weiter zogen, entwickelte sich eine einzigartige Spezies von DIY Urbanisten in den leeren Räumen, die die Investoren unbeachtet hinterliessen.

Die Protagonisten, die in dieser Zeit aktiv waren haben bewiesen, wie effektiv diese neuen Modelle und Strategien sein können. Der Maßstab und Umfang dieser Arbeit hat den Punkt erreicht, wo sie international als ein neues Paradigma für Stadtentwicklung anerkannt wird.

In Berlin werden diese Projekte noch immer als isolierte Fragmente wahrgenommen. Als einen ersten Schritt will die DIY-IBA diese Fragmente sichtbarer machen.

DIY-IBA

Experiment Days 2011 Die geplante Stadt wird komplementiert von einer Stadt der Initiativen, einer Stadt in der urbane Innovation von einer dynamischen Biosphäre von Aktivisten, Künstlern und Gründern angetrieben wird. Berliner bauen ihre Stadt selbst. Heute beteiligen sich mehr lokale Akteure als je zuvor daran, das neue Paradigma zu formen. Sie testen neue Modelle für nachhaltige, sozial integrierte Projekte.

Berlin's DIY Protagonisten sind schon lange nicht mehr auf kleine Nischen und temporäre Projekte beschränkt; sie arbeiten inzwischen in urbanem Maßstab. Ihre Strategien können auf Berlin's aktuelle Herausforderungen angewandt werden: die maroden monofunktionalen Strukturen der 60er und 70er Jahre, sowie Berlin's Industrie- und Investitionsruinen.

Die DIY-IBA ist eine offene Einladung an interessierte Individuen und Initiativen, diese Modelle zu verfeinern und anzuwenden.

Sie sind eingeladen die DIY-IBA in Berlin mit zu gestalten.

Ein erster öffentlicher intensiver Ideenaustausch fand bei dem ersten DIY-IBA Treffen, am 17.09.2012 im Rahmen der EXPERIMENTDAYS 12, statt. Das Protokoll dazu erscheint in Kürze auf www.DIY-IBA.net.

Dieser Blog möchte ermutigen, Stadt selbst zu machen

Brauchen wir eine Bodenreform?

Bkult hat uns im November 2012 eingeladen, diese Frage zu stellen. Bkult ist eine online Diskussionsplattform der Bundesstiftung Baukultur, die die Aufgabe hat deutsche Baukultur zu fördern.

Weiterlesen ...