Start-Up Stadt

Hinter jedem 'locally grown project' gibt es einen Entrepreneur, jemanden, der die neuen Möglichkeiten erkennt und sie nutzt, um inspirierende Orte zu kreieren.

Entrepreneur - eine Person, die, oft mit persönlichem finanziellen Risiko, ein meistens kommerzielles Unternehmen startet.”

– Das Chambers Dictionary

Realstadt Ausstellung Nachdem ich bei Wikipedia die Definitionen von verschiedenen Entrepreneur-Typen gelesen hatte, kam ich zu dem Schluss, dass ich in die Kategorie der Serien-Lifestyle-Unternehmer gehöre. 1984 startete ich mit 14 Jahren und einem Student-Venture-Capital-Darlehen der kanadischen Regierung über 400 $ mein erstes Business, eine Fahrradreparaturwerkstatt. In den folgenden drei Jahrzehnten habe ich drei verschiedene Unternehmen und einige Initiativen und Projekte gegründet und mitbegründet, die alle damit zu tun hatten, unsere Städte auf die eine oder andere Weise zu verbessern. Meine einzigen konventionellen Anstellungen waren drei kurze Sommerjobs als Student.

Entrepreneurinitiativen faszinieren mich. Sie formen Gesellschaften und spielen eine grundlegende Rolle in der Veränderung von Städten.

Durch die Erforschung der Mechanismen und Motivationen hinter den Entrepreneurinitiativen wollen wir Wege finden, die Locally Grown Cities ermutigen und vorantreiben.

Die Karriere im Informationszeitalter?

Je weiter die industrielle Ökonomie auseinanderfällt, umso wichtiger werden Entrepreneurinitiativen für unsere Gesellschaft. Jede Finanzkrise zeigt uns, wie anfällig klassische 'Jobs' sind und jedes Mal scheint daher das angenommene Risiko, eine eigene Firma zu gründen, weiter zu sinken. In den USA befinden sich die Hälfte aller Jobs in kleinen Firmen. Firmenneugründungen (95% davon sind klein) schaffen ein Drittel aller neuen Jobs. Zusammengerechnet erzeugen die kleinen Unternehmen 70% aller neuen Jobs. (Weitere Informationen hierzu finden Sie in folgender Studie).

Mit fortschreitendem Ruhm und Reichtum der Hightech- Entrepreneure gibt es nun einen neuen Heldentypus im Pantheon der Rollenmodelle für Kids. Endlich haben auch die weniger athletischen Bücherwürmer einen Traum, dem sie hinterherjagen können.

Superstar Entrepreneure

Niklas Zennström an der TU Berlin Am 16. November 2011 hielt der Skype-Mitgründer Niklas Zennström einen Vortrag an der Technischen Universität Berlin (TUB), eine Veranstaltung, die vom Gründungsservice der TUB organisiert worden war. Dieser Gründungsservice unterstützt Studierende dabei, ihre technischen Innovationen in erfolgreiche Unternehmen umzuwandeln.

Zennström war auch in der Stadt, um zu berichten, dass seine Risikokapitalgesellschaft Atomico eine Summe von 4,2 Millionen $ in 6Wunderkinder investieren wird. 6Wunderkinder ist ein Start-Up, das von sechs TU-Studenten gegründet wurde.

Das Interview drehte sich um ganz praktische Ratschläge für Tech-Start-Ups. Die Tipps reichten vom Leute-Anheuern und -Feuern bis hin zu Strategien, wie man am besten an Risikokapital heran kommt. Zennström hat aber darüber hinaus auch noch die feineren Punkte beschrieben, wie man eine Idee nimmt und damit die Welt verändert.

Zennström war faszinierend. Er bot eine Diskussion seiner Vergangenheit an und sprach offen darüber, was man seiner Meinung nach braucht, um ein erfolgreicher Entrepreneur zu sein.

Dieser Artikel ist um meine Lieblingszitate von Zennström herum strukturiert und um die Parallelen, die ich daraus zur Stadtentwicklung ziehe.

Zufälligerweise saß ich direkt neben den 6Wunderkindern, deren helle Aufregung ansteckend war. Bevor der Vortrag begann, waren sie in permanentem Austausch sowohl untereinander als auch gleichzeitig, über ihre diversen technischen Spielzeuge, mit dem Rest der Welt. Durch Zennström's Engagement hatte ihre frischgebackene Firma soeben den Quantensprung gemacht, von dem Gründer träumen.

Erfolg bedeutet für einen Entrepreneur nicht immer Eimer voll Geld zu verdienen; für die meisten von ihnen ist der Antrieb wahrscheinlich eher ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Für Risikokapitalgeber wird der Erfolg jedoch fast ausschließlich in Dollar gemessen und zwar vorzugsweise in Millionen von Dollar. Zennström‘s Vortrag war deutlich darauf fokussiert, wie man den ganz großen Fisch fängt.

Niklas Zennström und Oliver Beste Wie die meisten passionierten Entrepreneure gibt er sein Wissen begeistert weiter, um andere darin zu unterstützen, einen ähnlichen Erfolg wie er selbst zu erlangen. In seinem neuen Unternehmen als Risikokapitalgeber ist es jetzt natürlich sein Hauptjob dafür zu sorgen, dass die anderen erfolgreich sind. Sein eigener Erfolg ist abhängig von seiner Fähigkeit, den Erfolg der anderen vorherzusehen und zu unterstützen.

Über der ganzen Veranstaltung hing ein fast religiöser Eifer. Die Versammlung der jungen, gläubigen Techies hing an Zennström‘s Lippen und stellte eindringliche und genaue Fragen zu dem Pfad des Superstar-Entrepreneurs.

Unruhe stiften – Being Disruptive

Being disruptive – Unruhe stiften war an dem Abend der meist gebrauchte Begriff.

Disrupt – unterbrechen; etwas in Unordnung bringen oder Unruhe stiften.”

– Das Chambers Dictionary

DDR Plattenbau - Rückbau in Berlin-Mitte Laut Zennström kann man die Vitalität eines Start-Up-Unternehmens daran messen, bis zu welchem Grad es den bekannten Lauf der Dinge unterbricht und durcheinander bringt. Je mehr das neue Unternehmen die herkömmlichen Abläufe stören kann, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es die Gesellschaft transformieren wird und umso attraktiver wird es für Risikokapital.

Skype ist ein perfektes Beispiel. Mit dem unaufhaltsamen Fortschreiten in das neue Kommunikationszeitalter stürzt Skype Telefonfirmen weltweit und fügt allen Sprachen des Planeten ein neues Verb hinzu. Dies ist die Champions League im Entrepreneur-Business.

Es gibt heute eine lange Reihe von Beispielen, wo neue Technologiefirmen in der letzten Dekade zunächst altbekannte Abläufe gestört haben und dann unserem Vokabular sehr schnell neue Verben hinzugefügt haben. Gibt es Parallelen in unseren Städten?

Urbaner Umbruch

Stadtentwicklung ist nicht so allgegenwärtig wie Technologie. Städte verändern sich so langsam, dass wir es erst im Rückblick bemerken. Trotzdem sind die Prozesse des Umbruchs genau so bedeutend. Das urbane Umfeld ist einer der wichtigsten definierenden Faktoren, wie wir Leben erfahren. Veränderungen in diesem Umfeld können bedeutende Effekte auf Individuen und die Gesellschaft haben, und in extremen Fällen werden sie zum Fokus politischer Unruhen.

Ein immer wieder zitiertes Beispiel ist die globale Verstädterung, die besonders in Asien offensichtlich ist, wo ganze Wälder von Hochhäusern oft aus dem Nichts hochgezogen wurden und so komplett neue Mega-Städte entstanden. Die massiven urbanen Wanderungsbewegungen in diesen Ländern lassen die Herausforderungen westlicher Städte unbedeutend erscheinen, aber selbst in stabilen Städten wie Berlin können urbane Umbrüche traumatisch sein.

Anti-gentrifizierungs Protest in Berlin-Mitte Berlin war bis vor kurzem international berühmt für die niedrigen Mieten. Seit die Mieten in den letzten Jahren anfingen zu steigen, wird es nun immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Überraschend schnell hat sich öffentlicher Widerstand gegen die Gentrifizierung geregt, die nun für alle spürbar beginnt Schichten auszubilden, in einer Stadt, deren soziale Mischung bisher Tradition war und die das besondere Berliner 'Lebensgefühl' erst möglich machte. Die Stadt sieht sich nach fast zwanzig ruhigen Jahren gezwungen, sehr schnell nach Lösungen für das jetzt drängende Wohnungsproblem zu suchen.

Da die Stadt hochverschuldet ist, kann sie nicht wie in Generationen vorher sozialen Wohnungsbau finanzieren. Berlin hat seine Unterstützungen schon vor 10 Jahren eingestellt. Zeitgemäße neue Entwicklungsmodelle sind seither stattdessen auf der Basis privater Initiativen und der vielen Lücken, die die Stadt nach der Wiedervereinigung definiert haben, entstanden.

Ein neues und wichtiges Entwicklungsmodell, das in Zennström‘s Sinn den üblichen Ablauf der Stadtentwicklung deutlich aufgewühlt hat, ist das der Baugruppen. In Baugruppen kommen Leute zusammen, die gemeinsam ein Grundstück kaufen, auf dem dann für jeden eine eigene Wohnung in einem gemeinsamen Gebäude gebaut wird. In den letzten zehn Jahren hat sich dieses Modell in Berlin soweit ausgebreitet, dass es beginnt den Ablauf der Standard-Entwicklungsmodelle zu stören, da es den Käufern für gleiches Geld mehr bietet: mehr Mitbestimmung, mehr Quadratmeter, mehr Kontrolle und mehr Gemeinschaft. Jemand hat mir erzählt, dass es in Freiburg, der Hochburg dieses Entwicklungsmodells, inzwischen keine herkömmlichen Projektentwickler mehr gibt, da das Baugruppenmodell die weniger beweglichen alten Herangehensweisen verdrängt hat.

Andere, den üblichen Ablauf störende Geschäftsmodelle experimentieren in Berlin mit alternativen Eigentumsstrukturen, die es Leuten erlaubt sich an Stadtentwicklung zu beteiligen, die normalerweise nichts damit zu tun haben würden. Indem große Genossenschaften gebildet werden, die Kapital über Generationen aufbauen, wird die Beziehung zwischen Raum-Besitzen und Raum- Nutzen transformiert. Die Mitglieder dieser Genossenschaften besitzen ihre eigenen vier Wände nicht, sondern haben einfach das Recht, dort zu lebenslang günstigen Mieten zu wohnen. Die Genossenschaft besitzt das Gebäude, das nun nicht mehr auf dem Immobilienmarkt gehandelt werden kann.

Umbruch ist ein natürlicher Vorgang in der Evolution. Erneuerung wird vorangetrieben, das Alte wird weggefegt. Es wird Platz geschaffen für alles Neue, das sich schneller an die veränderten Bedingungen anpassen kann, die die vorangegangene Generation immer weniger tolerieren konnte.

Gelegenheit

“Technologie entwickelt sich die ganze Zeit weiter und schafft neue Möglichkeiten”

– Nikolas Zennström (NZ), 16.11.11

Umbruch ist untrennbar verbunden mit Gelegenheit. Gelegenheit ist der nährende Grund, aus dem neue verändernde Ideen sprießen.

Fassade Nicht nur Technologie verändert sich, alle Arten von prästrukturellen Verschiebungen schaffen unaufhörlich neue Gelegenheiten wie zum Beispiel neue Gesetze, ökonomische Anreize oder auch soziale Verschiebungen. Dies alles schafft Gelegenheiten für Innovation. Strukturen brechen auseinander und werden neu zusammengesetzt.

Entrepreneure trainieren ihre Fähigkeit, diese Phasen des Wandels genau zu erforschen und auszuschöpfen. Sie erkennen die Probleme, die den Wandel verursachen und erarbeiten einfallsreiche Lösungen. Sie entdecken innovative Wege, um mit neuen Technologien alte Probleme besser und schneller zu lösen.

Skype zum Beispiel ist eine neue Lösung für ein altes Problem, das erst durch Breitbandkabel möglich wurde. Zur Zeit schießen Firmen wie Pilze aus dem Boden, die die neuen Gelegenheiten nutzen, die erst durch die Smart Phones möglich werden.

Technologischer Wandel treibt Stadtentwicklung voran

Anhänger, Halvestorf Technologieveränderung ist meistens der Antrieb für heutigen Wandel. Unsere Städte reflektieren dieselben Prozesse, aber auf einer anderen Zeitskala.

Als Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung eignet sich die Entstehung unseres Miniloft-Gebäudes. Das hochwertige Gebäude konnte nur durch höhere Mieten finanziert werden als der Berliner Markt für Wohn- oder Gewerbemieten damals bot. Wir sahen uns gezwungen, die Einheiten als möblierte Kurzzeitappartments zu vermieten. Dies gelang uns jedoch nur, da wir erstens durch gutes Marktgespür die neu entstandene Nachfrage rechtzeitig erkannt hatten und wir zweitens die Appartments sofort weltweit vermarkten konnten, ohne dafür ein PR-Budget zu haben. Möglich war dies plötzlich, weil Google damals für uns genau rechtzeitig die Google-Adwords einführte.

Im Februar 2002 hat Google Adwords Select gelauncht, das Bezahl-per-Klick-Werbesystem, das sie von Overture kopiert haben (Overture wurde seither von Yahoo gekauft). Bevor wir die Minilofts einen Monat später eröffneten, hat uns Adwords ermöglicht, eine gezielte globale Werbekampagne zu schalten. Die Minilofts waren daher vom ersten Tag an ausgebucht.

Zu der Zeit konnte ein kleineres Unternehmen wie unseres, aufgrund der damaligen sehr geringen Adwords-Gebühren, mit sehr viel größeren Unternehmen gleichberechtigt konkurrieren. Jetzt, da sich die Kosten von 5 Cent auf 5 Euro pro Klick erhöht haben, ist dies wirtschaftlich nicht weiter möglich. Aber zum Glück gelang es uns innerhalb der ersten sieben Jahre mithilfe der Adwords einen stabilen Kundenstamm aufzubauen, so dass wir nicht länger auf diese Werbemaßnahme angewiesen sind.

Da heute nur noch die großen Unternehmen in Google‘s Werbesystem dominieren, ist dieses besondere Gelegenheitsfenster für heutige Start-Up's verschlossen.

Unser neues Geschäftsmodell und das neue technologische Fenster, das das Geschäft erst möglich gemacht hat, hat es uns außerdem ermöglicht, ein wesentlich ambitionierteres Gebäude zu realisieren. Dies ist nur ein kleines Beispiel, wie sich technologische Entwicklungen auf Städte und ihre Architektur auswirken.

Scheitern

“Es ist wichtig, so schnell wie möglich zu scheitern” – NZ

Bei Entrepreneurinitiativen geht es darum neue Sachen auszuprobieren. Scheitern ist normal und je schneller eine Idee ausprobiert werden kann und je schneller man aus dem Scheitern lernen kann, umso wahrscheinlicher wird am Ende der Erfolg.

Günstige Mieten und geringe Unterhaltskosten machen Berlin für Entrepreneure zu einem idealen Labor, in dem sie ihre Ideen testen können. In Stadt der Lücken haben wir Berlin's einzigartige Nachwendelücken untersucht und gesehen, wie diese perforierte Struktur die Stadt Berlin in den Augen der Welt definiert hat.

Botanische Gärten, Berlin Wenn unsere Städte lebendig sein sollen, müssen wir Bedingungen schaffen, die Experimente ermutigen und ermöglichen. Mit der ständig wachsenden ökonomischen Bedeutung von Start-Ups wird es zunehmend wichtiger, sich auf die Planung der informellen Aspekte unserer Städte zu fokussieren und hier insbesondere auf die, die am besten zu dem Aufbruchsgeist der Entrepreneure passen und diesen noch weiter anspornen.

Es reicht nicht mehr nur Infrastruktur zu bauen. Wir sollten Rahmenbedingungen 'bauen', die Innovation unterstützen und testen: Räume erschließen für Experimente, Gesetze anpassen an die Bedürfnisse von Unternehmen in der Anfangsphase, Nachbarschaftsinitiativen unterstützen. Es ist wichtig, eine sehr viel flexiblere Vorstellung davon zu entwickeln, was Stadt ist. Entsprechend können wir die Stadt dann tunen, kleinteilige Entwicklungen voranzutreiben. So werden unsere Städte lebendiger, produktiver und attraktiver zum Leben, Arbeiten oder Besuchen.

Ausführung

“Ideenklau ist selten, da die Ausführung Alles ist” – NZ

Teilen Open-Source-Programme haben die Vorstellung, wie wir über Ideen denken, revolutioniert. Ideen mit anderen zu teilen, verbessert sie oft und durch das Öffnen der Arbeitsprozesse können neue Impulse und Partner in ein Projekt integriert werden. Die Vorteile dieses Teilens werden in der Geschäftswelt immer mehr akzeptiert. Hightech-Start-Ups versuchen Nachahmer abzuwehren, indem sie ihr Unternehmen schnell zum Standard machen. Niemand kann es mit Skype oder Facebook aufnehmen, weil beide tief in unser tägliches Leben integriert sind. Natürlich werden Leute das anders sehen, die auf der Verliererseite des Kampfes um Allgegenwärtigkeit ringen.

Die Winkelvoss-Brüder haben Mark Zuckerberg dafür verklagt, dass er ihre Idee gestohlen hat, um Facebook zu kreieren. Zuckerberg hat vermutlich so argumentiert, dass die Ausführung Alles ist. Der Vergleich, den Facebook letztendlich gezahlt hat, war auf jeden Fall geringfügig.

Jede gute Idee wird schnell kopiert. Der Schlüssel zum Erfolg ist, die Idee so schnell auszuführen, dass man einen guten Vorsprung hat und sie gleich so makellos zu schneidern, dass sie sich allgegenwärtig etabliert. Indem man sofort eine starke Identität schafft, ist es möglich die Effekte von Kopien zu dämpfen.

Als wir mit den Minilofts anfingen, war das ein komplett neues Geschäftsmodell. In der nachfolgenden Dekade sind Wettbewerber wie Pilze aus dem Boden geschossen, die viele unserer Ideen kopiert haben. Weil wir eine starke öffentliche Identität etabliert haben, werden wir von den Imitationen nicht verdrängt. Allerdings haben wir keinerlei Ambitionen Allgegenwärtigkeit anzustreben, was in städtischer Entwicklung dem genauen Gegenteil von der Idee einer Locally Grown City entspräche.

Entwicklung

“Konzentriere Dich auf die Produktweiterentwicklung, anstatt auf die Entwicklung des Geschäftsmodells oder des Marketings” – NZ

Der kreative Akt eines Neubeginns muss sich auf die Innovation fokussieren, die Idee, die Vision. Aber mit fortschreitender Reife des Unternehmens werden Geschäftsführung und Marketing immer wichtiger, obwohl sich damit keine aufregende Pressemitteilung formulieren lässt. Wenn Geschäftsführung und Marketing nicht funktionieren, wird das Unternehmen nicht überleben.

Hightech-Start-Ups drehen sich alle um den Hockeyschläger – die Form einer exponentiellen Expansion auf einer Kurve.

Wein, München Allerdings überdeckt die Phase der Hockeyschläger-Expansion alle möglichen Probleme der Geschäftsführung und des Marketings, die alle erst dann an die Oberfläche kommen, wenn sich die Dinge stabilisieren. Während Phasen schneller Expansion werden Details unter den Teppich gekehrt. Die Verluste dieses Jahres werden wettgemacht, da das nächste Jahr schon zehnmal grösser ist. Die exponentielle Wachstumsphase ist ein Pyramidenschema, das auf Wachstumsprognosen basiert, anstatt auf soliden Fundamenten. Sobald das Wachstum nachlässt, ist der Spaß vorbei und das Unternehmen muss zurechtgestutzt werden, bis es beständig segelt.

Entrepreneure und Manager leben in verschiedenen Welten. Die Energie, die Ideen, die Konzentration, die gebraucht werden, um etwas Neues zu starten, benötigen andere Talente als ein Unternehmen im täglichen Betrieb zu manövrieren. Als jemand, der beides mal gemacht hat, kann ich sagen, das der Neuanfang wesentlich mehr Spaß macht, aber auch viel riskanter ist und sehr viel mehr Arbeit erfordert.

Städte sind anders als Hightech-Unternehmen; sie drehen sich um Weiterentwicklung und nicht um exponentiellen Umbruch/Wechsel. Grundstücke formen keine Hockeyschlägerkurve, weshalb es kein Risikokapital gibt für Grundstücksentwicklung. Dies reduziert die Optionen, die urbanen Erfindern zur Verfügung stehen. Es macht Experimente viel schwieriger. Städte können fruchtbare Bedingungen schaffen für Erfindungen, indem sie Eigeninitiative in der Stadtentwicklung unterstützen. Gemeinsam mit Team11 haben wir konkrete Vorschläge erarbeitet, um Berlin's Stadtentwicklungspolitik zu verbessern.

Kontrolle

“Gib nie die Kontrolle eines Unternehmens ab” – NZ

Kontrolle zu behalten ist schwer, wenn man finanziell von anderen abhängig ist, besonders wenn etwas schief läuft. Wenn Risikokapital involviert ist, können die Dinge sehr schnell hässlich werden. So viele gute Unternehmen wurden zerstört, weil sie von dem vergifteten Kelch der Finanzen getrunken haben. Geld leihen geht immer Hand in Hand mit dem Risiko, die Kontrolle zu verlieren.

Tunnel, Turino Glücklicherweise musste ich dies nie persönlich erleben, aber die Geschichte geht normalerweise so: Das Unternehmen bekommt die erste Runde Risikokapital, basierend auf seinem überoptimistischen Businessplan. Während sie weitermachen, verbrauchen sie das Geld viel schneller als erwartet und innerhalb weniger Monate brauchen sie schon mehr Geld. Dieses Mal ist der Kapitalgeber oder die Bank nicht mehr so großzügig mit ihren Bedingungen und der Vertrag beinhaltet nun finanzielle Ziele und Konsequenzen, die eintreten, wenn diese Ziele nicht erreicht werden. Wenn die Zeit reif ist für die dritte Finanzierungsrunde, bleibt nur noch, die Schlüssel des Unternehmens an die Kapitalgeber zu übergeben, was meistens das Ende der Firma bedeutet.

Bei der Berlin-Beta-Konferenz 2001 haben Louis Rossetto und Jane Metcalfe die Geschichte ihres Kultmagazins Wired zum ersten Mal öffentlich erzählt: Wie sie es gegründet haben und wie das Magazin 1998 nach einem gescheiterten Börsengang (Providence Equity Partners) von Risikokapitalgebern übernommen wurde und wie schnell es dann in Einzelteilen verkauft wurde. Die Tech-Lifestyle-Zeitschrift ist seither nie wieder zu dem aufgestiegen, was sie am Anfang einmal für eine eingeschworene Tech-Gemeinde war. Diese katastrophale Erfahrung ist recht weit verbreitet, wird jedoch in den Medien fast nie erwähnt.

Die Kontrolle in der Stadtentwicklung hängt auch direkt mit der finanziellen Unabhängigkeit der Stadt zusammen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Berlin mit immer weiter ausufernden öffentlichen Schulden herumgeschlagen. Im Namen der Schuldenreduzierung hat die Stadt kurzsichtig Grundstücke zu historisch niedrigen Preisen verkauft, die sie in Zukunft für eigene Nutzungen wieder benötigen wird.

GSW Verkauf Zum Beispiel hat Berlin im Jahr 2004 die GSW, eine öffentliche soziale Wohnungsbaugesellschaft mit 65.000 Wohnungen, an Cerberus, eine amerikanische Investmentfirma, verkauft. Cerberus hat 404 Millionen Euro in bar bezahlt und hat außerdem 1.700 Millionen Euro Schulden, die auf dem Grundstück lagen, übernommen. Im April 2011 ging die GSW an die deutsche Börse und Cerberus war gezwungen, die GSW-Geschäftszahlen ab 2008 zu veröffentlichen. Ein kurzer Vergleich zwischen den Profiten, die Cerberus in seiner öffentlichen Buchhaltung darstellte, mit den Zinsen, die Berlin durch den Verkauf gespart hat, zeigt, dass Cerberus durch den Kauf ungefähr zehnmal so viel verdient hat wie Berlin in derselben Zeit gespart hat. Hätte Berlin die Wohnungen behalten und genauso effektiv verwaltet, hätten sie mehr Schulden abbezahlen können als sie durch den Verkauf abbezahlt haben und die Wohnungen würden ihnen noch gehören.

Welche Aspekte der Stadt sollten von der Regierung kontrolliert werden und wie sollte dies gemacht werden? Wie kann private Initiative ermutigt und ermöglicht werden und gleichzeitig das öffentliche Interesse berücksichtigt werden? Eine feine Balance muss zwischen den vielen verschiedenen Interessen, die hier hineinspielen, gefunden werden.

Meiner Meinung nach ist der wichtigste Schlüssel zu langfristigem Erfolg, sowohl für Städte wie für Unternehmen, die Kontrolle zu behalten. Städte und kreative Unternehmen können nicht von Managern von Investmentfondskonzernen geleitet werden, deren einzige Interessen kurzfristige finanzielle Interessen sind.

Die Kunst der Entrepreneurinitiative

Die Entrepreneurinitiative ist eine Kunstform, ein kreatives Streben in einem Medium, das eng mit unserem täglichen Leben verwoben ist. Vielleicht wird es eines Tages Museen geben, die sich dieser Kunstform widmen. In jedem Fall verdient sie Anerkennung als eine der großen, kreativen Bemühungen der Menschheit.

Unseren Städten würden viel mehr lokale Entrepreneurinitiativen in mehrerer Hinsicht zugute kommen. Sie würden Städte nicht nur interessanter und lebendiger machen, sie würden auch eine starke Basis für das Entstehen von Arbeitsplätzen bieten und die soziale Interaktion in unserer gebauten Umgebung erweitern. Urbane Erfinder transformieren unsere Städte, sie hinterlassen Spuren, die spätere Generationen noch bewundern.

Bei weitergehendem Interesse empfehle ich From Scratch, eine NPR Radioshow, die sich der Verbreitung des Entrepreneurgedankens verschrieben hat und zu dem Zweck Interviews mit Gründern aller Art sendet. Man kann sich die Podcasts von der Website herunterladen, jedes enthält je zwei 30-minütige Interviews.

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